Leben in Bagamoyo

Schattenseiten
Es sei an dieser Stelle besonders erwähnt, dass wir erst seit nur kurzer Zeit in diesem Land leben dürfen. Eine zu kurze Zeit, um sich anmassen zu wollen, Schattenseiten zu benennen. Ebenso haben wir noch zu wenig Einsicht, in das wirkliche Denken der hier lebenden Menschen. Es liegt uns fern zu urteilen, oder sogar zu verurteilen. Sicher gibt es vieles welches wir nach unserem Verständnis nicht verstehen. Dies soll jedoch nicht heissen, dass es dadurch schlecht ist.
Was ist Standard, was ist Gewohnheit, was ist Zeitgemäss
Bevor wir zu den sogenannten Schattenseiten übergehen, möchte ich zuerst die drei Begriffe „Standard“, „Gewohnheit“ und „Zeitgemäss“etwas näher betrachten. Ist z.B fliessend Wasser mittlerweile Standard, Gewohnheit oder einfach nur Zeitgemäss. Wann betrachten wir etwas als selbstverständlich und ab wann ist etwas Luxus. Für uns Europäer gilt fliessend Wasser wohl eher als gewohnter Standard. Hier in Tansania auf dem Land eher als Luxus. Viele, wenn vielleicht auch nicht alle Europäer, sind es gewohnt, über fliessend Wasser zu verfügen. Es wird dementsprechend zur Gewohnheit über einen gewissen Standard zu verfügen. Mensch denkt nicht länger darüber nach, Mensch ist es gewohnt. Sicher darf diese Gewohnheit auch als selbstverständliches Grundbedürfnis im Jahr 2024 betrachtet werden, sollte Mensch meinen.
Allerdings geht dabei schnell vergessen, dass die Welt unterschiedliche Kulturen beinhaltet mit unterschiedlichen Sicht- und Denkweisen. Wenn wir in die eine Extreme gehen und ein noch existierendes Naturvolk im Amazonas betrachten, leben diese Menschen so, wie sie es eben gewohnt sind, ohne einen Festwasseranschluss. Diese Menschen leben inmitten der Natur und mit der Natur. Wir, die sogenannten zivilisierten Menschen, weg von der Natur, benötigen viele Vorrichtungen, um im Fortschritt leben zu können. Wir denken, es wäre falsch, einer Kultur etwas aufzuzwingen, nur weil es vielleicht als fortschrittlicher betrachtet wird. Jede Kultur wie auch jeder Mensch, sollte nach Möglichkeit seinen eigenen Weg gehen dürfen. Auch wenn dieser nicht dem aktuell „zeitgemässen“ Fortschritt entspricht. Missionarisch eine Kultur oder einen Menschen zu bedrängen führt wohl eher zu keinem guten Ende. Bittet jedoch eine Kultur oder ein Mensch um gewisse Unterstützung, ist es angebracht eine entsprechende wohl überdachte Hilfe zu leisten. Fortschritt alleine ist aus unserer Sicht nicht das Mass der Dinge. Viele Menschen werden vom Fortschritt brutal überrollt, ohne Rücksicht und ohne Skrupel. Die grosse Meinung ist, der Fortschritt ist wichtiger, egal ob der Mensch dabei auf der Strecke bleibt, Hauptsache Fortschritt.
Tansania– und viele andere afrikanische Länder wohl auch, leben in der Konfrontation vom herkömmlich gewohnten und den heutzutage möglichen Standards. Alleine das Mobiltelefon ist auch hier nicht mehr wegzudenken. Der Mensch lebt bereits in der Gewohnheit Mobiltelefonnummern auszutauschen, so wie ein freundschaftlicher Händedruck, bei einer zwischenmenschlichen Begegnung üblich ist.
Fehlt nun ein Standard, wie ein Festwasseranschluss, stellt sich die Frage ob dies nun eine Schattenseite ist oder nicht. Als Tansanier betrachtet, ist sich Mensch vieles einfach gewohnt ein anderer Standard zu haben als in Europa. Mensch nimmt es an wie es ist, an eine andere Möglichkeit wird wahrscheinlich nicht einmal Ansatzweise gedacht. Sind diese Menschen nun zu bedauern? Wir denken nicht, denn die Gewohnheit kennt eben keinen Standard mit Festwasseranschluss. Mensch ist sich gewohnt das Wasser aus dem Brunnen zu holen. Wir als Europäer empfinden dies als nicht Zeitgemäss und vergessen dabei, dass in anderen Ländern die Uhren anders Ticken. Welche Uhr richtig tickt, die schnelle oder die langsame, zeigt nicht die Lebenserwartung der Menschen, sondern eine wirkliche Zufriedenheit im Innern des Menschen.
Industrieländer rühmen sich wie hoch die durchschnittliche Lebenserwartung von 80 Jahren und mehr mittlerweile gestiegen ist. Die Frage ist hier, zu welchem Preis. Aktuell explodieren die Gesundheitskosten Europaweit, niemand weiss wohin dies führen wird. Auch häufen sich psychische Probleme der Menschen in ein bedenkliches Ausmass. Ob nun der Fortschritt um jeden Preis dem Menschen selbst wirklich so dienlich ist, darf sich jeder für sich selbst beantworten.
In den vorangegangenen Berichten, erwähnte wir immer wieder, dass wir uns oft als privilegiert betrachten dürfen. Warum ist das so. Ab wann ist ein Mensch privilegiert, oder warum denken wir, dass wir uns als privilegiert ansehen dürfen.
Ist es nicht eher so, dass Mensch welcher viel besitzt, vieles gewohnt ist, der Gefahr ausgesetzt ist, auch vieles verlieren zu können. Ein Mensch welcher nie vieles hatte, kann auch nicht viel verlieren und sollte rein theoretisch innerlich ruhiger sein als ein Mensch welcher dauernd in der Angst steht, seine Gewohnheiten im Leben welche ihm am Herzen liegen, eventuell zu verlieren oder nicht mehr in gewohnter Weise zur Verfügung stehen.
So gesehen ist der europäische Standard, Gewohnheiten wie ein schönes Badezimmer mit Dusche und Toilette, eine Küche mit tollem fliessendem Wasser oder auch nur ein Gaskocher, welcher es erlaubt in kurzer Zeit etwas zu erwärmen, ohne vorher auf glühende Kohle zu warten, Fluch und Segen zugleich. Mensch ist es sich eben mittlerweile gewohnt.
Hier in Tansania fällt der Strom gelegentlich aus. Manchmal für Minuten, manchmal für Stunden. In Europa wäre dies ein Desaster. Hier nimmt kaum jemand Notiz davon und wenn doch, wird geduldig gewartet…“Mensch ist es gewohnt und richtet sich entsprechend ein“. Ist dies nun eine sogenannte Schattenseite?
In der Regenzeit füllen sich die Löcher oder Gruben in den Strassen mit Wasser. Ein Durchkommen ist öfter nur noch mit einem 4×4 Fahrzeug möglich. Sind dadurch die Menschen verärgert und passieren solche Stellen fluchend mit bösem Blick und gestikulierend fuchtelnden Händen. Weit gefehlt. Die Leute sind sich das gewohnt. Ist dies nun eine Schattenseite?
Im Restaurant, sofern dieser Begriff nur im weitesten Sinne verwendet werden soll, sind Tische und Stühle eher schäbig, abgenutzt und verbraucht. Eine zerbrochene Glasscheibe mit scharfen Kanten , beschwert das Tischtuch. Auch das ist nichts besonderes und niemand würde sich daran stören. Wäre das eine Schattenseite.
Unzählige solcher Beispiele könnten hinzugefügt werden. Doch sind das wirkliche und echte Schattenseiten? In unseren Augen sicher nicht, sonst wären wir komplett falsch in diesem Land und wir würden kaum glücklich und zufrieden sein. Tansania ist zum Glück nicht Europa. Vieles ist in Entstehung wie ein stabileres Stromnetz , einfacheres Kochen oder bessere Strassen etc.. Ob die Menschen danach wirklich fröhlicher dadurch sein werden, ist zu bezweifeln.
Was Mensch gewohnt ist möchte er haben, besonders wenn es um Annehmlichkeiten geht wie eine Dusche und Toilette. Auf diese Gewohnheit würden auch wir nur sehr ungern verzichten wollen, denn wir sind es uns eben gewohnt. Jetzt gibt es natürlich unzählige weitere Gewohnheiten welche ebenso nicht mehr zur Verfügung stehen. Diese Gewohnheiten gilt es einfach abzutrainieren. Weniger Gewohnheiten, weniger Leiden ist die Devise.
Fazit zu "Schattenseiten"
Vieles was Mensch als „Schattenseite“ betrachten könnte, scheint nur auf den ersten Blick so zu sein. Wir wussten von Anfang an, dass wir in ein Land gehen, mit einer komplett anderen Kultur und einer anders tickenden Uhr. So liegt es an uns, anzunehmen wie es ist und nicht zu urteilen. Dies sagt sich so einfach, doch manchmal fällt es nicht ganz so leicht.
Hier zum Schluss sollen doch noch drei sogenannte Schattenseiten aufgezeigt werden, welche uns immer wieder beschäftigen und wir bisher noch nicht so richtig annehmen konnten.
Die Schattenseite Nummer eins, wären die Gottesdienste von christlich gläubigen, welche meistens Samstags und Sonntags stattfinden. In Tansania gibt es zwei Hauptreligionen, Christen und Muslime. Wobei die Muslimen gefühlt stärker vertreten sind, zum Glück. Diese rufen nämlich einfach fünf mal am Tag zum Gebet auf und gut ist. Anders bei den Gottesdiensten der christlich gläubigen. Diese dauern von neun Uhr Morgens bis spät in den Nachmittag, ohne Pause oder sonstige Unterbrechungen. Nun könnte Mensch denken, was stört uns das, wir brauchen nicht hingehen. Das wäre richtig, wenn es nicht so viele unscheinbare Kirchen gäbe und der Gottesdienst nicht über extreme Lautsprecher in die Welt hinaus posaunt würde. Leider ist es kaum möglich diesen Kirchen auszuweichen. So also auch in unserer Nachbarschaft. Ab Donnerstag Abend muss Mensch mit Proben rechnen, damit am Samstag und Sonntag denn auch wirklich alles klappt. Die Musik und der Gesang kann manchmal als angenehm empfunden werden, spätestens aber bei der Teufelsaustreibung, werden die Sinne auf extreme Weise strapaziert und wir fragen uns immer wieder, welche Menschen tun sich das freiwillig an. Auf eine Anfrage von uns an einen christlich gläubigen Freund, erhielten wir die Antwort, jeder kommt wann er will und geht wann er will. Puh…mehr gibt es dazu nicht zu berichten. Dies entspricht so überhaupt nicht dem Tansanier den wir im Alltag treffen. Doch noch ist es wie es eben ist.
Die zweite Schattenseite ist naturbedingt und basiert auf unserer örtlichen Niederlassung. Wir haben uns bereits vor unserem Weggang aus der Schweiz dazu entschlossen, dass wir Kälte möglichst meiden wollen. Immer schön warm sollte es sein, also auf Meereshöhe und auf Höhe des Äquators plus minus einige hundert Kilometer. So landeten wir im klimatisch tropischen Bagamoyo. In einem Gebiet das zusätzlich eher als sumpfig bezeichnet werden kann. In der Regenzeit werden viele Reisfelder kultiviert. Wo Süsswasser ist gibt es auch Mücken. Die ersten Plagegeister tauchen bereits ab 17.00Uhr auf. Ab ca. Sonnenuntergang geht es dann richtig los.
Da wir uns nicht mit Gift einstreichen wollen, tragen wir dünne lange Kleidung und Socken, dies bei guten 25°C. Es wäre so gemütlich am Abend draussen zu sitzen um in die Sternen zu schauen, aber die Moskitos verhindern dieses Vergnügen. Wir wünschen in Zukunft ein Mittel zu kreieren aus dem Neembaum oder ähnliches um diesen Viechern das Spiel zu verderben. Wir werden sehen ob es klappt.
Die letzte und dritte „Schattenseite“ wäre unsere Hautfarbe. Leider können wir diese schlecht verstecken. Wir waren es in der Schweiz gewohnt, am Abend spazieren zu gehen für eine oder manchmal auch zwei Stunden. Diese gemütliche Gewohnheit können wir hier in Tansania leider nicht mehr pflegen. Dies hat mehrere Gründe. Ein Grund sind sicher die Mücken am Abend, der andere die absolute Dunkelheit. Spazieren in absoluter Dunkelheit ohne den Weg richtig zu erkennen, macht nicht wirklich spass. Auch ist die Orientierung selbst tagsüber in den kleinen Gassen nicht ganz problemlos. Bleibt also nur der Spaziergang am späteren Nachmittag oder in den Morgenstunden. Die Morgenstunden sind jedoch bereits vergeben durch unsere morgendlichen Gewohnheiten 🙂 So bleibt also nur der spätere Nachmittag. Nun ist ein weisser Mensch hier in Tansania bei den Kindern eher eine Sensation. Taucht dazu noch ein spazierendes weisses Pärchen plötzlich aus dem Nichts auf, geht es erst so richtig los. Von überall rufen die Kinder ein Hallo, oder wollen sogar eine kurze Berührung erhaschen. An einen gemütlichen Spaziergang ist nicht zu denken. Mittlerweile haben wir uns an diese neue Gegebenheit gewohnt und es gibt eben keinen Spaziergang mehr, wenigsten momentan. Die Zukunft wird es zeigen, wenn wir immer wieder auftauchen, dass auch die Kinder an uns gewohnt sein werden, wir werden sehen.
Damit sind unsere drei Themen an denen wir noch zu arbeiten haben beschrieben und alle können sich einigermassen ein grobes Bild machen, was mit „Schattenseiten“ gemeint ist, so, dass es mit den Berichten über und in Bagamoyo demnächst weiter gehen kann.
Die gesperrte Online-Zeitung
Wir schauen immer wieder einmal in eine Online-Zeitung hier in Tansania. Der Name soll hier keine Bedeutung haben. Es ist eine Zeitung wie viele andere auch, so unsere Einschätzung. Allerdings wurden wir vor kurzem überrascht, dass der Online Dienst dieser Zeitung, bis auf weiteres eingestellt werden musste. Dies auf Verlangen der Tanzania Communications Regulatory Autorithy (TCRA). Warum und wieso ist nicht bekannt. Es zeigt aber, dass Tansania alles was im Land so vor sich geht, besonders politische Aktionen, sehr gut beobachtet.
Im ersten Augenblick erschreckt eine solche Handlung. Es ist jedoch zu beachten, dass Tansania eines der wenigen afrikanischen Länder ist, in welchem Ruhe und Ordnung besteht. Gerade Länder welche in der sogenannten Entwicklung stehen und dazu noch reich an Bodenschätzen sind, stehen in der Gefahr unterlaufen zu werden. Es gibt unzählige Beispiele auf der ganzen Welt, dass solche Spiele leider gespielt werden. Auch hier verzichten wir bewusst auf eine spezifische Aufzählung, da wir nicht politisch schreiben wollen. Doch die Gefahr ist für solche Länder omnipräsent. Daher auch die Vorsicht und frühes Einschreiten der Regierung von Tansania.
Tansania ist sehr bemüht und ebenso sehr aktiv, vorwärts zu kommen. Dabei, so unsere Einschätzung, entsprechend diverser Berichte, werden nach Möglichkeit alle Bevölkerungsschichten mit einbezogen und beachtet. Uns erscheint es so, dass selbst der kleine Bauer tief im Land nicht mit Gesetzen konfrontiert werden soll, damit dieser nicht noch zusätzlich und unnötig belastet wird. Oft können wir Berichte lesen welche darauf hinweisen, dass gewisse einfache Berufsstände, wie z.B. BodaBoda Fahrer, nicht durch Gesetze und Regelungen behindert werden sollten. Es ist stets ein Augenmerk auf die schwächsten in der Gesellschaft vorhanden. Es werden konstruktive Lösungen gesucht und oft gefunden, nicht Jahre danach, sondern in Wochen-, oder Monatsfristen. Das ist wenigsten unser oberflächlicher Eindruck, dieser kann natürlich auch falsch sein.
Die Wahrheit ist jedoch, dass in Tansania, gegenüber in anderen vielen Nachbarländer, Ruhe und Ordnung ist und nicht zuletzt eine Bevölkerung hat, welche trotz verschiedener Religionen zufrieden zusammen ihr Leben zu meistern versuchen. Manche haben ein wirklich hartes Leben, wie unsere Gemüsefrau und andere wiederum sind wirklich wohlhabend. So wie überall auf der ganzen Welt, wobei die Armut, oder besser ausgedrückt, ein Leben in sehr bescheidenem Umfeld, sicher mehrheitlich zu beobachten ist.
Als Beispiel ist an dieser Stelle die Bemühungen von Tansania zu nennen, dass in Zukunft das Kochen mit Gas für alle erschwinglich werden soll. Es sei hier nur darauf hingewiesen, dass Kritik nicht angebracht ist, da längst nicht alle Fakten bekannt sind für uns Ausländer. Wir wünschen uns sehr, dass Tansania ein selbständiges und nicht fremd regiertes Land bleibt.

Wovon leben die Leute in Bagamoyo
In diesem Abschnitt möchten wir etwas auf die Verschiedenen Berufsstände hier im Städtchen eingehen. Bagamoyo ist ein Ort in Tansania, den es wohl in ähnlicher Art und Weise viele gibt in Tansania. Bagamoyo mit einer noch übersichtlichen Bevölkerungsdichte und grosser Landfläche bietet eine eher gemütliche Atmosphäre. Ein kleiner Hafen bildet eine Verbindung zu Sansibar. Dazu aber später mehr, wenn wir über den Hafen und das quirlige Leben dort berichten. Zuerst möchten wir uns ansehen, wovon die meisten Menschen hier im Ort ihr leben finanzieren. Denn auch hier, wie überall auf der Erde, bringt Arbeit Geld und das Geld finanziert den Lebensunterhalt.
Wieviel Geld notwendig ist, um über die Runden zu kommen ist sehr unterschiedlich. Wie bereits erwähnt, gibt es Menschen, welche mit sehr wenig auskommen müssen oder wollen. Wie überall gibt es Menschen welche mehr brauchen und daher auch mehr arbeiten und manche benötigen fast nichts und daher eher weniger fleissig sind oder jene Menschen, welche mit einem Handicap zurechtkommen müssen und daher am minimum leben.
Die finanziellen Bedürfnisse der Menschen pro Haushalt beginnt bei „ärmeren“ Menschen bei 1000Tzs (CHF 0.35.-) bis ca. 10’000Tzs (CHF 3.50.-) pro Tag für Menschen im Mittelstand. Wohlhabende werden sicherlich mehr benötigen . Obwohl das Leben für die Menschen hier bestimmt kein Zuckerschlecken ist, ist uns aufgefallen, dass es kaum bis keine Bettler hat, keine Drogenabhängige welche im Elend sind, keine Obdachlosen welche irgendwo auf der Strasse leben, selten jemand öffentlich betrunken gesehen wird oder niemals Ärger im Strassenverkehr zu beobachten wäre. Generell geht das meiste friedlich zu und her. Ausnahmen, eine öffentliche Prügelei, haben wir eine erfahren, solche Situationen werden jedoch extrem schnell von den Menschen drum herum geschlichtet.
Industrie gibt es mit drei Ausnahmen nicht wirklich in Bagamoyo. Über die bestehenden Fabriken wissen wir noch zu wenig um darüber berichten zu können. Eine stellt Betonmasten für die Stromnetze her, eine Firma füllt Mineralwasser in Flaschen ab und die dritte scheint etwas mit Landwirtschaft und Versuchsfelder zu tun zu haben. Es gibt noch die eine und andere Industrieruine, wenigstens so unser Eindruck von Aussen.
Generell haben wir jedoch den Eindruck, dass sich die meisten Menschen selbst erfinden um ein Geschäft zu führen, oder sonst irgendeine Dienstleistung anbieten. Das ist es auch, was uns hier in Bagamoyo am besten gefallen hat, von Anfang an. Die vielen Klein- und Mikrounternehmer beleben den Ort auf sehr eindrückliche Art.
So, genug geschwafelt, jetzt sollen die einzelnen Berufe näher angeschaut werden, jeder separat mit eigenem Titel, da ich nicht alle zusammen veröffentlichen kann und noch nicht von allen ein Bild zeigen könnte, so starten wir einmal mit den Mikrounternehmern von welchen es hunderte gibt. Alle mit einer spezifischen Handfertigkeit, welche mit einfachsten Mitteln nützliche Produkte herstellen wie Besen, Körbe, Tragetaschen, Teppiche oder Stühle aus Naturholz und vieles mehr.
Die Heim-Handwerker
Der Besenmacher
Diese Handwerker sind meist unauffällig in Hintergassen oder ausserhalb vom Zentrum zu finden. Durch unsere Entdeckungsmärsche sind auch wir nur per „Zufall“ auf den Besenmacher gestossen.
Die Handwerker beherrschen ihre Handwerkskunst auf eindrückliche Weise. Als Werkzeug dient dem Besenmacher eine Machete, dass ist alles. Alle benötigten Materialen sind aus der Natur in direkter Umgebung. Allerdings konnten wir nicht herausfinden aus was die Borsten des Besens sind. Meine Vermutung basiert auf aufgespaltene Palmblätterstengel. Denn die Borsten sind hart und unverwüstlich.
Mit wenigen Handgriffen hat der Besenmacher die zuvor vorbereiteten Einzelteile wie, Besenstiel, Borstenklammer und Borsten zusammengesetzt.
Als Endprodukt erhält der Kunde einen schönen und dazu stabilen zweckmässigen Besen um auf Sandboden gezielt Blätter oder sonstiges zusammenkehren zu können.
Für dieses Produkt und für die tolle Arbeit werden durchschnittlich 5000Tzs (CHF 1.75.-) verlangt.
Handwerker und Kunde, beide sind sehr zufrieden damit. Natürlich verkauft der Besenmacher diese Besen nicht in grosser Menge, denn sie halten lange und nicht alle brauchen einen Besen.
So ist sein Leben bescheiden aber gesichert. Irgendwer braucht dann doch immer mal einen neuen Besen.




Der Drechsler und seine Frau die Teppichflechterin
Diesen Drechsler mussten wir nicht lange suchen. Es ist fast unser Nachbar in nächster Nähe. Wenn wir ausser Haus gehen, kommen wir direkt an seinem sehr bescheidenen Häuschen vorbei. Es gibt nicht mehr viele Häuser welche in der alten Tradition aufgerichtet wurden. Alleine mit Lehm, Gras und einem Holzgerüst als tragende Struktur, sind diese sehr einfachen Heime auch hier in Bagamoyo nur noch selten anzutreffen. Meist bei Menschen welche in grosser Bescheidenheit ihr Leben gestalten.
Als Einkommen dienen seine Handwerksarbeiten und seine Frau Flechtet wunderbare Teppiche aus langen getrocknetem Gras. Noch haben wir einen Teppich und zeigen heute deshalb die Arbeit ihres Mannes, dem Drechsler.
Er zeigte uns live die Entstehung eines Kerzenständers. Da wir immer wieder Stromausfälle haben, sagten wir uns, ein Kerzenständer können wir gut gebrauchen. Er legte los und wir staunten, mit welchem Geschick er den Kerzenständer aus dem Ebenholz herausschälte.
Seine Werkzeuge waren vier verschiedene, an der Spitze, geschliffene Betoneisen. Diese setzte er gekonnt und geführt durch seinen grossen Zehen, an den rotierenden groben Holzklotz an. Die Rotation des Holzklotzes, erfolgte durch eine Nylonschnur, welche an einem Holzstock befestigt war. Diesen Stock führte er gleichzeitig mit seiner anderen Hand.
Die Rechte Hand war also der Antrieb für die Rotation, mit der linke Hand und dem Zehen, führte er den Stahlstichel zur Spahnabnahme. Vielleicht wird es durch die Bilder etwas deutlicher was gemeint ist. Zu beachten ist, dass die Nylonschnur am Bogenstock jedes mal durch einen Spanner mit der rechten Hand, gelöst und wieder gespannt werden musste, damit er den Bogen für die nächste Rotationsbewegung und in gleicher Drehrichtung, nach hinten ziehen konnte.
Nach kurzer Zeit hatten wir einen Ebenholz Kerzenständer in Händen. Für diese Arbeit hatten wir 15000Tzs (CHF 5.30.-) zu zahlen. Ein höherer Preis als gewohnt, doch das Ebenholz wird er auch nicht günstig eingekauft haben können, obwohl aus Tansania stammend. Gerne bezahlten wir den Betrag, denn die beiden können jede Einkunft mehr als gut gebrauchen. Zudem haben wir noch einen passgenauen Armreif bestellt, welcher er wenige Tage danach für uns fertiggestellt hat.




Der Naturstuhlkonstrukteur
Ein weiterer Handwerker fertigt Stühle an, welche aus natürlich gewachsenen Holzstöcken zusammen genagelt sind. Gerne würden wir bei der Herstellung einmal dabei sein, leider haben wir diesen einen Handwerker noch nicht selber besuchen können. Wir sahen diese Stühle immer mal in Bagamoyo stehen und waren begeistert von der Art und Weise wie diese Stühle konstruiert sind.
Wir fragten immer mal nach wo wir diesen Stuhlmacher wohl finden könnten, doch niemand konnte uns Auskunft geben. Bis eines Tages bei unserem „Früchtemann“ solche Stühle standen und wir ihn angesprochen haben. Leider war die Verständigung sehr harzig, aber er verstand wenigstens, dass wir zwei solche Stühle gerne kaufen würden. Eine Woche später holten wir unsere Bestellung mit dem Fahrrad ab. Wo der Handwerker seine Werkstatt hat, wissen wir leider immer noch nicht.
So gibt es noch viele weitere Heim-Handwerker welche Produkte herstellen, die im Haushalt oder sonst irgendwie einen Nutzen haben. Längst haben wir nicht alle gesehen oder ausfindig machen können. Die gezeigten haben quasi unseren Weg gekreuzt.
Für die wenigen Touristen welche doch auch ab und zu in den Strassen von Bagamoyo zu sehen sind, haben sich sogenannte Kunsthandwerker als Schnitzer oder Maler ihren fixen Verkaufsstand installiert, wo mit Touristen zu rechnen ist.


Strassenverkäufer mit Verkaufsstand
In Bagamoyo gibt es Strassenverkäufer mit mobilen Verkaufswagen oder halbstationäre Kleinst- Verkaufsläden. Die Mobilen Verkaufsstände bieten meist Äpfel, Trauben oder Erdnüsse an. Der Saison entsprechend können es auch Orangen sein. Seltsamerweise sahen wir bisher keinen welcher mit Bananen, Mangos oder Ananas unterwegs gewesen wäre, keine Ahnung weshalb.
Die halbstationären Verkaufsstände werden abends wieder weggeräumt, wie es unsere Bekannten aktuell auch praktizieren. Am Morgen früh wird Tee, Tee mit Milch (Chai) oder Milch angeboten. Sind die Kannen leer, gehts wieder nach Hause. Genauso mit den mobilen Verkaufsständen.
So gibt es auch die mobilen Verkäufer welche allerlei auf ihrem Wagen transportieren. Vom Korb, Besen, Plastikbecher Alupfannen und vieles mehr. Diese ziehen meist ausserhalb vom Zentrum durch die Bezirke um ihre Waren verkaufen zu können. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Strassenverhältnisse zu meistern.





Mobile "Spinatfrauen"
Immer wieder sieht man Frauen, welche grosse Plastikbottiche auf den Köpfen tragen und ihre Ware durch lautes rufen von „Mboga“ (Gemüse) oder „Spinachi“ (Spinat) anbieten. Wir selbst werden jeden zweiten Tag von so einer Frau besucht, welche bereits nicht mehr die jüngste ist. Wir helfen immer wieder den Plastikbottich auf ihren Kopf zu hieven. Dabei mussten wir mit Schrecken erkennen, dass das Gewicht von geschätzten 15Kg oder sogar mehr, viel zu schwer ist. Andere Frauen tragen deutlich weniger und sind jünger.
Das Gemüse kaufen die meisten Frauen selber bei einem grossen Gemüsehändler ein und durch den Wiederverkauf verdienen sie wohl nicht wirklich viel daran. Das Gemüse ist zu kleinen Bündeln geschnürt, welche 500Tzs (CHF 0.17.-) kosten.


Quartierläden
Viele Familien unterhalten bei ihrem Zuhause einen kleinen Verkaufsstand. Dort werden meist Tomaten, Bananen Kartoffeln, Okras oder Zwiebeln in kleinen Mengen angeboten. Seltener gibt es auch Mineralwasser oder Soda-Minerale. Das Angebot richtet sich natürlich auch nach der Saison, so dass Avocados, Mangos oder sonstige Früchte das Angebot vergrössern.
Manche Verkaufsstände sind so klein, Mensch könnte denken, Kinder spielen hier Verkäuferlein. Aber dem ist nicht so, die noch so kleinste Einnahme zählt bei vielen Familien.


Professionellere Dienstleistungen
Ab hier möchten wir die professionelleren Dienstleister vorstellen. Besonders die überall im Land fahrenden Motorradtaxis welche BodaBoda Fahrer genannt werden. Diese spezielle Berufsgattung ist eine nicht wegzudenkende Dienstleistung hier in Tansania. Aber dazu mehr demnächst, für Heute mach ich mal Schluss.
Boda Boda Fahrer
Nun also zu den am weitesten verbreiteten Dienstleistung, zu den Boda Boda Fahrer oder Motorrad Taxi’s. Meistens von Jüngeren Tansanier ausgeführt, ist dieser Job ein Knochenjob, obwohl auf den ersten Blick dies nicht sofort zu erkennen ist. So mit einem Motorrad durch die Gegend zu brausen macht doch nur Spass und ist nicht wirkliche Arbeit. Wer genauer hinschaut und beobachtet, erkennt jedoch welche Mühsal wirklich dahinter steckt. Zumeist sind die Fahrer nicht die tatsächlichen Besitzer des Motorrades, dementsprechend müssen die Fahrer einen vorher vereinbarten Teil ihrer Tageseinkünfte an den Besitzer abtreten, der Rest ist ihr Lohn.
Es gibt sie wirklich überall anzutreffen. Wo Häuser stehen, sind auch die Boda Boda Fahrer nicht weit. Meistens stehen sie in kleinen Gruppen von drei bis fünf Fahrer oder mehr, im Schatten unter einem Baum und warten auf Kundschaft. Selbstverständlich hat jeder Fahrer ein Natel als Kontaktmöglichkeit, seltener sogar ein Smartphone. Die meisten Menschen hier in Tansania haben kein eigenes Fahrzeug. So werden mittlere Distanzen innerhalb von Bagamoyo mittels Motorrad-Taxi zurückgelegt wer kein Fahrrad hat.
Die Leute wissen wo die Boda Boda Fahrer stehen und gehen zu dieser Sammelstelle, telefonieren direkt mit einem Fahrer, oder heben die Hand, wenn ein freies Motorrad-Taxi unterwegs angehalten werden soll. Hat dieser bereits ein Auftrag, gibt er Zeichen und braust einfach weiter. In der Regel dienen die Boda Boda Fahrer für den Personentransport, aber nicht nur. Die Fahrer transportieren alles möglich und alles unmögliche, es scheint keine Grenzen zu geben, so unser Eindruck. Nach Vereinbartem Preis kann ein Boda Boda Fahrer auch gleich für mehrere Stunden oder einen ganzen Tag als Fahrgelegenheit gebucht werden. Hier empfiehlt sich zu Verhandeln, was bei einmaligen kurzen Fahrten nie notwendig ist. Die Motorräder sind meistens aus Indien (TVS und HERO), oder aus China (SanLG). Auch zu diesem Thema wird es einen eigenen Beitrag geben.
Der Fahrpreis richtet sich nach der gefahrenen Distanz und nicht nach der Anzahl Köpfe, welche mitfahren. So ist es nicht selten, dass vier Personen und der Fahrer, der bereits auf dem Tank sitzen muss, angetroffen wird. So gibt es die unmöglichsten Personentransporte zu beobachten. Leider bin ich nicht immer schnell genug, um das auch festzuhalten. Eine Fahrt von unserem Haus ins Zentrum, welches ungefähr ca. 3-4Km entspricht, bezahlten wir 3000Tsh für uns beide auf einem Motorrad. Dies entspricht ca. CHF 1.05.-.
Warentransporte gleichen oft einem Schwertransport, welche Familien oder Geschäfte bestellt haben. So kommen wir auch zum Thema, warum dieser Job ein echter Knochenjob ist. Die Fahrer nehmen eine Bestellung auf, fahren zu den Geschäften, beladen das Motorrad bis die ganze Bestellung irgendwie festgezurrt ist und liefern das Ganze vor die Haustür und das bei jedem Wetter und bei jeden Strassenverhältnissen. Nur die Hauptverbindungswege sind mit Asphalt befestigt, so das grosses Geschick von den Fahrern abverlangt wird, um über all die vorhandenen Hindernissen wie Sandpiste, Schlamm oder Schlaglöcher zu meistern. In der Regenzeit sind die unbefestigten Strassen voller riesiger tiefer Pfützen.
Wir haben die Boda Boda Fahrer sehr zu schätzen gelernt, sie sind immer freundlich, fahren mit Personen immer sehr vorsichtig und möchten manchmal auch gleich ihre Telefonnummer mit dir teilen. Wobei letzteres Standard ist in Tansania, jeder will dein Bruder oder Schwester sein. So wäre dieser Beitrag zu der privaten Dienstleistung „Personen & Warentransport“ abgeschlossen. Im Anschluss einige Fahrer welche wir festhalten durften um eine Vorstellung zu bekommen.
Was noch hinzufügen ist, jeder Boda Boda Fahrer trägt ein qualitativ gutes T-Shirt. Wie ein Markenzeichen wird dies mit Stolz getragen, es ist ein Boda Boda Fahrer Trend. Fallen die Temperaturen unter 30°C, tragen viele auch eine Winterjacke, umgekehrt angezogen, also das Rückenteil vorne.






Erweiterung unserer Mobilität
Wie alles begann am 30. Dezember 2024
Aktuell bieten unsere Fahrräder die Möglichkeit, selbständig im Umkreis von Bagamoyo uns zu bewegen. Wir geniessen die gemütlichen Fahrten, auch wenn wir bei grosser Hitze, natürlich unsere Schweissdrüsen extrem strapazieren. Die ruhige und gemütliche Art uns fortzubewegen, hat schon viele erstaunt, Weisse unterwegs mit dem Fahrrad. Immer wieder werden uns Daumen nach oben gezeigt, begleitet mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
Natürlich bietet diese Art der Fortbewegung auch seine Mühsal, besonders wenn wir Trinkwasser, Kartoffeln oder sonstige schwere Einkäufe tätigen. Ist die Strasse dann noch zusätzlich mit diversen Hindernissen wie Wasser oder tiefer Sand gepflastert, wünschten wir uns manchmal einen leichteren Weg. Auch wäre ein grösserer Radius vielleicht irgendwann einmal auch ein Bedürfnis. Gedacht getan, informierten wir uns über zahlbare und vernünftige Alternativen. Unser Fokus richtete sich auf ein indisches Produkt, eine Marke, welche hier sehr verbreitet ist.
Ein Besuch bei einer Geschäftsinhaberin für Fortbewegungsmittel zeigte sich erfreut über unseren Besuch, musste aber ablehnen, da sie nicht diese von uns gewünschte Marke vertritt. Mit einem Griff zu ihrem Mobilen Gerät und mit dem Hinweis, sie rufe gleich den Verkaufsmanager dieser Marke an, versicherte sie uns, dass er bestimmt weiter helfen könne. Keine zehn Minuten später, stand der besagte Verkäufer auf der Matte. Kevin, so sein Name, bestätigte uns, über diese Fahrzeuge zu verfügen. Es freute uns sehr, nach so kurzer Zeit bereits eine mögliche Bestellmöglichkeit in Aussicht zu haben.
Die Bestellung am 31. Dezember 2024
Nun folgt der administrative Teil, Kevin sollte uns über alle Bedingungen aufklären, welche notwendig seien, um eine offizielle Fahr- und Lenkerlaubnis zu erhalten. Kurz, was braucht es um diese Fahrzeuge zu fahren. Wir zeigten unsere Aufenthaltsbewilligung und unseren Schweizer Fahrausweis. Alles kein Problem, waren seine freudigen Worte. Mit diesen Dokumenten sei es uns erlaubt, dieses von uns gewünschte Fahrzeug zu fahren, mehr brauche es nicht.
Vorsichtig wie wir sind, dankten wir Kevin für seine Informationen, jedoch möchten wir dieses Thema bei der Polizei direkt auch noch geklärt und bestätigt wissen, bevor wir irgend etwas bei ihm bestellen würden. Etwas enttäuscht über unsere Aussage, verabschiedeten wir uns bei Kevin, mit dem Versprechen, ihn anzurufen, wenn von der Polizei seine Aussagen bestätigt würden.
Tatsächlich wurde uns von einem überaus freundlichen Polizisten in zivil und seinem Amtskollegen in Uniform unsere Anfrage positiv beantwortet. Mit unseren Dokumenten und der Übersetzung unserer Fahrausweise stehe nichts im Weg um offiziell fahren zu dürfen. Dies erfreute uns ungemein, denn es hätte auch sein können, dass wir einen tansanischen Fahrausweis beantragen müssten. So verlassen wir uns auf die Aussagen von Kevin und die der Polizei.
Nun kann es einen Schritt weiter gehen und wir informierten wie vereinbart, einen Tag später Kevin, um eine Bestellung zu tätigen. Nochmals wollten wir uns vergewissern, dass Kevin verstanden hat, um welches Modell genau es geht, denn in Indien gibt es vier unterschiedliche Modelle des gleichen Typs. Als dies geklärt war, versprach Kevin die Lieferung nach den Feiertagen auf den Freitag 3. Januar. Die Vorausbezahlung der Hälfte der Summe, wurde bei dem Händler dieser Marke in Bagamoyo cash an Kevin übergeben. Unsere neue Mobilität soll hierher geliefert werden, so Kevin’s Versprechen. Zufrieden mit dem bisherigen Verlauf zogen wir wieder ab.
Das Abenteuer beginnt 3. Januar 2025
Endlich, Freitag 3. Januar, an diesem Tag sollte um 15:00 unsere neue Mobilität geliefert werden. Doch bereits um 09:00 Uhr morgens klingelte mein Smartphone. Kevin war in Daressalam und informierte uns zum einen, dass wir nur ein, statt zwei Fahrzeuge erhalten könnten, seine Firma wolle ihm ohne Bezahlung das zweite Fahrzeug nicht frei geben. Zum anderen brauche er noch unsere TIN-Nummer. Nach langer Diskussion am Telefon, einigten wir uns, die zweite Hälfte beim besagtem Händler dieser Marke in Bagamoyo zu hinterlegen. Dies akzeptierte scheinbar seine Firma. Das Problem mit dieser TIN-Nummer war jedoch zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht gelöst. So zogen wir zuerst einmal mit einem BodaBoda Fahrer los und fuhren zu dem Händler in Bagamoyo, um die zweite Hälfte der geforderten Summe zu hinterlegen. Für das Problem der fehlenden TIN-Nummer, will Kevin seinen örtlichen Assistenten zum Händler in Bagamoyo schicken.
Wir hatten keine Ahnung, ausser den Dokumenten, welche wir ihm gezeigt hatten, verfügten wir über keine weiteren Nummern. Es stellte sich heraus, damit die Fahrzeuge angemeldet werden können, dass diese TIN-Nummer (Steueridentifikationsnummer) zwingend notwendig ist. Diese sei kostenlos auf dem Amt TRA (Tansania Revenue Authority-tansanische Finanzbehörde) in Bagamoyo erhältlich. Das ist alles wunderbar, aber von dieser TIN-Nummer war nie die Rede und wer die Ämter in Tansania kennt, weiss, dass die Organisation dieser Nummer bestimmt seine Zeit in Anspruch nehmen wird und damit die Fahrzeuge mit Sicherheit heute nicht mehr geliefert werden können.
TRA Steueramt in Bagamoyo
Nach der Geldübergabe der zweiten Hälfte beim Händler, gab Kevin sein OK, dass er nun zwei Fahrzeuge liefern könne. Wie versprochen, war Raphael, der örtliche Assistent von Kevin, bereits vor Ort und erwartete uns. Er werde uns zum TRA Office fahren und helfen, um dort die besagte TIN Nummer, zu beantragen.
So fuhren wir zu dritt auf dem BodaBoda los, um die ominöse Nummer zu kriegen. Wie bereits befürchtet, galt es zuerst einmal zu warten, bis wir an der Reihe waren. Die nette Dame versuchte eine Lösung für unser Problem zu finden, doch bereits nach kurzer Zeit stand fest, dass wir hier keine TIN-Nummer erhalten werden, diese Zweigstelle sei nicht eingerichtet dafür, es sei notwendig nach Kibaha zu fahren. Bei uns klingelten alle Alarmzeichen, Kibaha!!!, jetzt, es ist zwischenzeitlich Nachmittag 14:00Uhr. Wir kennen die Strassenverhältnisse nach Kibaha, auch gab es Regen tags zuvor, also kein leichtes Vorhaben. Wir waren wütend über Kevin, dass er uns vorenthalten hat, dass es diese Nummer braucht und jetzt sollten wir diese in letzter Minute organisieren.
Die Fahrt nach Kibaha
Zuerst weigerten wir uns, um diese Uhrzeit noch diese Strecke mit einem Motorrad anzugehen. Leider hatten wir nicht wirklich die Wahl und jetzt haben wir mit Raphael einen Helfer zur Seite, also los gehts. Raphael’s Freund begleitete uns, mit dabei auf dem Sozius, war noch Raphael’s Frau, dies wussten wir aber zu dieser Zeit noch nicht. Wir fragten uns immer wieder, wer denn dieses Paar sei, welches uns stets folgte. Raphael meinte nur, dass sei sein Freund.
Raphael gab Gas, die Zeit lief, denn das Office hat nicht ewig geöffnet. Unsere Vermutung über den Zustand der Strasse nach Kibaha bestätigte sich. Raphael liess sich nicht beirren und kurvte mit uns elegant und mit grossem Können durch alle Hindernisse hindurch. Zu dritt auf einem Motorrad auf solchem Untergrund, ist tatsächlich eine Kunst welche die BodaBoda Fahrer beherrschen.
TRA Office in Kibaha (Steueramt in Kibaha)
15:30 Uhr sind wir in Kibaha angekommen. Raphael musste nach dem Weg zum Amt fragen. Für uns unglaublich, in Tansania nichts aussergewöhnliches, lag das Amt etwas versteckt in einer Seitenstrasse. Hätte es geregnet, wäre es chancenlos gewesen, diese Strasse zu befahren, dermassen schlecht war die Zufahrt. Wir schafften es an diesem Tag aber problemlos.
In Tansania muss sich jeder Besucher vor Eintritt in das Amt anmelden und registrieren. Dabei zeigte sich ein neues Problem, mit kurzen Hosen dürfe ich nicht in das Amt gehen. Na super, ich wusste ja nicht, dass ich heute noch auf ein Amt gehen muss. Aber wie Tansania so ist, zog die Dame welche im Registrierungshäuschen sass, ein paar Hosen hervor. Für eine kleine Gebühr, könne ich diese anziehen, dieses Problem war gelöst. Also weiter zum Hauptproblem. Unser Helfer Raphael fragte sich durch, bis wir an der richtigen Stelle angekommen waren.
Für alles braucht es natürlich ein Formular. Eine „Vordame“ übergab uns das notwendige Papier, welches wir auszufüllen hatten. Danach ging es weiter, in einem anderen Büroraum. Dort waren die Kabelverbindungen der Computer kreuz und quer über den Fussboden gezogen, überall stapelten sich Papierakten. Wir übergaben das ausgefüllte Formular mit unseren Angaben an eine Dame welche sich anbot das Papier entgegen zu nehmen. Nach einer Wartezeit war es denn soweit, die Registrierung müsse nun über Internet übermittelt werden, dies sei ausserhalb dieses Gebäudes, unten an der Strasse durchzuführen. Zum Glück war Raphael dabei, er verstand sofort, wohin wir nun zu gehen hatten. Tatsächlich war ca. 200 Meter weiter unten an der Strasse eine kleine Bretterbude. Dort angekommen, übermittelte diese Person mit seinem Smartphone unsere Daten auf eine Plattform in Internet.
Wieder zurück im eigentlichen Amt, stellte sich plötzlich das Problem mit den drei Namen. Vorname, mittlerer Namen und Nachname. Ich hatte aber nur zwei Namen. So mussten wir nochmals zurück in die Bretterbude um diese Sache zu klären. Wir bestanden darauf, dass der mittlere Name gleich sei wie der Nachname und so war auch dieses Problem gelöst. Erneut zurück im Amt, waren diese zufrieden und sie erstellten ein Foto meiner Person und entnahmen digital meine Fingerabdrücke, wie damals beim Antrag für unser Visum. Nach fünf Minuten hatten wir dann unsere „TIN“ Nummer säuberlich auf einer Urkunde ausgedruckt. Sofort übermittelten wir die Nummer an Kevin. Es war jetzt 17:00 Uhr, die Zeit drängte zur Rückfahrt, bevor es dunkel wird. Ohne Tageslicht wäre die Fahrt zurück nochmals schwieriger. Also nichts wie los. Eineinhalb Stunden Rückfahrt reichen knapp aus um noch bei Tageslicht Zuhause anzukommen, mit der Lieferung unserer neuen Fahrzeugen wird es heute eh nichts mehr.
Rückfahrt nach Bagamoyo
Während der Fahrt, schoss mir die Idee in den Kopf, diese Fahrt zeitweise mit dem Smartphone zu filmen, damit ein kleiner Eindruck entsteht, welche Strassenverhältnisse hier herrschen. Raphael war tatsächlich ein sehr guter Fahrer, zu dritt auf dem Motorrad brachte er uns sicher zurück nach Hause. Mit der Nummer in der Tasche waren wir nun beruhigt, dass nun eine Lieferung unserer neuen Fahrzeuge morgen sicher möglich sein wird, so dachten wir jedenfalls.
Zuhause angekommen, bedankten wir uns bei Raphael für seine Dienste und übergaben ihm einen Batzen als Dank für seine Hilfe uns bei diesem Problem geholfen zu haben. Mit einem Gruppenbild verabschiedeten wir uns. Dabei erfuhren wir, dass die Frau auf dem Sozius seines Freundes, seine Frau sei.
Morgen erwarten wir die Lieferung, waren unsere letzten Worte, an Raphael und über WhatsApp an Kevin.

Tag der Lieferung 4. Januar
Samstag, 4. Januar 2025, Kevin versprach gestern, dass er jetzt alles notwendige habe und die Fahrzeuge am kommenden Tag, also heute Samstag, liefern werde. Wir waren gespannt. Angesagt war, dass die Lieferung noch vor Mittag stattfinden sollte. Wir begaben uns um 10:30Uhr zum Händler in Bagamoyo, der Treffpunkt für die Übergabe der Fahrzeuge. Noch war unser Gefühl eher skeptisch, dass heute tatsächlich alles klappen wird und so war es denn auch.
Um 11:00 Uhr die erste Nachricht an Kevin, dass wir beim Händler Herr Maboko in Bagamoyo seien und auf ihn warten würden. Prompt kam die Antwort mit Bildern unterstützt von unseren Fahrzeugen. Er warte auf den Laster, welche die Fahrzeuge aufladen sollte. Dementsprechend ist er noch immer in Daressalam und eigentlich sollte er bereits wenigsten unterwegs sein, so unsere Annahme.
Ich gab zur Antwort, es ist schön, dass die Fahrzeuge bereit für den Transport sind, diese sollten aber bereits hier in Bagamoyo sein. Nun begann die Verzögerungstaktik von Kevin. Seine Antwort lautete; der Laster hätte Verspätung, ob wir es erlauben, dass zwei Fahrer die Fahrzeuge nach Bagamoyo fahren und er würde uns dann die Transportkosten retournieren und wir erhielten noch am Morgen dadurch die Fahrzeuge.
Dieses Angebot mussten wir ablehnen, da die Fahrzeuge neu sind und unbedingt die ersten Kilometer zuerst eingefahren werden müssen. Diese zwei würden garantiert mit Vollgas die 70 Kilometer von Daressalam nach Bagamoyo rasen. Wir erinnerten Kevin an seine lauthals ausgesprochenen Versprechungen, dass eine Lieferung nach Bagamoyo problemlos sei.
So beharrten wir auf den Transport und erinnerten Kevin, dass er gestern bereits einen Laster hätte ordern können für heute. Wie auch immer, nach einigem hin und her, versicherte er uns bis am Nachmittag, irgendwann einmal, in Bagamoyo zu sein.
Nun gut, es bleibt uns nichts anderes übrig als zu warten. Wir nutzten die Gelegenheit ein anderes Problem mit unserem Smartphone Anbieter zu klären und liefen in die Stadt, um wenigsten etwas nützliches zu unternehmen, statt nur rumzusitzen. Es erwies sich als kleines Problem, der Anbieter hat seine Benutzer-App erneuert und auf eine neue gewechselt. Der Angestellte dort, konnte uns schnell die notwendige PIN-Nummer generieren, so dass wir auf die neue App jetzt zugreifen können. Wenigsten ein Problemchen weniger, dachten wir und zottelten zurück durch Bagamoyo hindurch zum Fahrzeughändler Maboko. Zwischenzeitlich hatten wir 15:00 Uhr und von Kevin keine Nachricht und keine Spur. Nochmals sendeten wir eine Anfrage, wo er denn stecke,…es kam keine Antwort. Es war weiterhin Warten angesagt.
Bereits waren nochmals 1.5 Stunden vergangen, das Sitzen am Strassenrand wurde zur Geduldsprobe…und plötzlich sah ich Raphael mit seinem Motorrad. Wir dachten schon er habe eine erneute Hiobsbotschaft an uns, als plötzlich auch Kevin vor uns stand mit zwei Rückspiegeln in den Händen, von den Fahrzeugen keine Spur. Vom langen Warten, waren wir ganz verwirrt, dass die beiden plötzlich angekommen sind. Erst jetzt erkannten wir, dass Kevin mit dem DalaDala (Personenbus) angereist war. Aber wo um Gotteswillen sind unsere Fahrzeuge, dachten wir.
Nun, es ist kaum zu glauben, da der Laster zu spät gekommen wäre, laut Kevin, habe er die Fahrzeuge in ein DalaDala geladen und nach Bagamoyo gefahren. Wir trauten unseren Augen nicht, tatsächlich waren beide Fahrzeuge irgendwie in diesen Bus eingeladen worden. Kevin strahlte über alle Backen, dass die Fahrzeuge nun hier sind. In Tansania helfen schnell alle mit, so dass die Entladung der beiden Fahrzeuge fast problemlos erfolgen konnte.
Ende der Geschichte; wir wurden wieder einmal auf die Probe gestellt und wieder einmal haben uns die Tansanier bewiesen, sie halten Wort, wenn auch nicht immer „Wortwörtlich“. In diesem Sinne Ende gut alles gut. Unsere Fahrzeuge sind sicher und sogar unbeschädigt in Bagamoyo angekommen.